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Masterplan Verkehrsentlastung Bad Vilbel 2030

Erster Stadtrat legt Konzept zur Entlastung der Stadt vom Durchgangsverkehr vor

Bad Vilbel ist bekanntlich extrem stark von Verkehr, der durch die Stadt und an der Stadt vorbeiführt, betroffen. Mittlerweile wird diese Problematik landes- und bundespolitisch diskutiert. Auch in der Stadt werden Lösungen gefordert. Diese können jedoch nicht in Bad Vilbel allein entwickelt werden, sondern müssen großräumig und gemeinsam mit der Region angegangen werden.

Der Erste Stadtrat und Verkehrsdezernent, Sebastian Wysocki, hat hierzu nun einen Masterplan „Verkehrsentlastung Bad Vilbel 2030“ vorgelegt.
 
Sehr geehrter Herr Wysocki, Verkehr in Bad Vilbel, das ist ein Thema, das die Gemüter erhitzt. Sie haben sich nun Gedanken gemacht und einen Masterplan vorgelegt. Erklären Sie zum Einstieg bitte einmal die Grundintention.
 
Wysocki:
Das grundsätzliche Ziel dieses Masterplans ist die Entlastung der Stadt Bad Vilbel vom Durchgangsverkehr. Der Masterplan selbst geht aber noch weiter. Sollten alle Maßnahmen umgesetzt werden, so werden auch die umliegenden Städte und Gemeinden, einschließlich des Frankfurter Nordens und des Frankfurter Ostens entlastet. Das Konzept ist also ein überregional angelegtes Maßnahmenpaket mit positiven Auswirkungen auf die gesamte Region.
 
Wie sieht dabei die Aufteilung aus?
 
Wysocki:
Der Masterplan teilt sich in drei Bereiche auf. Erstens: Straße, Zweitens: Schiene und Drittens: Bus- und Radverkehr.
Aufgeführt sind hierbei Maßnahmen, die zum Teil bereits in der Umsetzung sind, Maßnahmen, die geplant und auch planfestgestellt sind und Maßnahmen, von denen ich denke, dass sie positive Auswirkungen auf den Verkehr in der Region hätten. Es ist also ein zweifacher Dreiklang, wenn man so möchte.
 
Das klingt nach sehr konkreten Überlegungen. Welche Beispiele können Sie uns für den Bereich Straße geben?
 
Wysocki:
Nun, im Bereich der Straße ist die zeitnahe Fertigstellung des Riederwaldtunnels ein zentrales Projekt. Dies würde allen Verkehrsteilnehmern, die aus der Richtung Maintal nach Frankfurt möchten Alternativen zur Verfügung stellen. Damit wäre ein Großteil des Verkehrs aus dem Osten kommend für Bad Vilbel abgefangen und gleichzeitig würde der Frankfurter Osten von Lärm und Abgasen entlastet. Das ist eine Maßnahme, die bekanntlich bereits lange in Planung ist.
Eine Idee, die meiner Meinung nach für weitere Entlastung sorgen könnte, ist die Errichtung einer „Südumgehung Bad Vilbel“, um die L3008 zu entlasten und den Verkehr von Osten kommend direkt nach Frankfurt anzubinden. Für diese Idee würde die B521 auch eine neue Streckenführung nehmen und kreuzungsfrei geführt werden. Vom Kleingartenverein aus würde die Straße vierspurig geführt werden, um die Verkehrsbedürfnisse aufnehmen zu können. Vorbei am Umspannwerk ginge es dann weiter in Richtung Zollhaus, der bisherige Verlauf entlang der Fertighausausstellung würde zurückgestuft. Auf Höhe des Alten Zollhauses würde die neue Trasse an die bestehende B521 anschließen aber weiter bis zur A661 geführt werden. Das Preungesheimer Dreieck könnte in diesem Zusammenhang dann zu einem Preungesheimer Kreuz ausgebaut werden. Es käme zu keinem Rückstau mehr auf der bisherigen Trasse der B521 und der Schleichverkehr über den Heilsberg oder über Berkersheim würde unterbunden.
 
Dies wären Maßnahmen, die Bad Vilbel gar nicht allein entscheiden könnte, die aber einen positiven Effekt für den Verkehr in der Stadt hätten. Was könnte man in Bad Vilbel selbst tun?
 
Wysocki:
Wir sind ja bereits an einer Lichtsignaloptimierung, also einer Änderung der Ampelschaltung auf der L3008 zwischen Dottenfelderhof und der Friedberger Straße dran. Auf den Punkt gebracht möchten wir, dass die Schaltungen so optimiert werden, dass in den Hauptverkehrszeiten, die Grünphasen auf der L3008 länger andauern und so der Verkehr besser fließen kann. Zusätzlich soll der Schwerlastverkehr über die Werksanbindung der Firma Hassia an der Friedberger Straße geführt werden und die Gießener Straße soll ab den „Sprudelgärten“ zur Einbahnstraße in Richtung Heinrich-Heine-Straße werden, um hier einen Schleichverkehr zur Büdinger Straße zu verhindern. Wir wollen kurzum die Störungen der Nebenrichtungen aus Rosengarten, Festplatzstraße und Gießener Straße in den Griff bekommen.
 
Die Straße ist ja nur ein Teil Ihres Konzepts. Wie soll es auf der Schiene weitergehen?
 
Wysocki:
Zunächst muss natürlich der viergleisige Ausbau der S6 von Frankfurt/West bis Friedberg rasch realisiert werden. Diese Kapazitätserweiterung würde zu einer erheblichen Steigerung der Attraktivität des ÖPNV führen. Daneben aber muss auch die nordmainische S-Bahn zeitnah realisiert werden, denn auch dies würde die Attraktivität des ÖPNV vor allem für Berufspendler steigern.
Ich möchte daneben auch noch die Idee der Verlängerung der Straßenbahnlinie 18 ins Spiel bringen. Bislang endet diese bekanntlich am Unfallklinikum. Würde man sie bis Bad Vilbel verlängern und daneben gleichzeitig Pendlerparkhäuser errichten, hätte man eine zusätzliche und schnelle Verbindung von Bad Vilbel nach Frankfurt und würde das Frankfurter Verkehrsnetz, was ebenfalls im Berufsverkehr an seine Kapazitätsgrenzen stößt, entlasten. Der Straßenraum lässt sich nicht beliebig vermehren, vor allem in den Stadtlagen, und da ist die Schiene die einzig sinnvolle Alternative.
 
Gerade die Schienenprojekte sind es aber, die oftmals sehr lange andauern, bis sie realisiert werden. Was kann man dagegen tun?
 
Wysocki:
Natürlich weiß auch ich, dass viele der beschriebenen Maßnahmen nicht kurzfristig zu realisieren sind, deshalb ja auch das Richtjahr 2030. Wir müssen aber zu beschleunigten Prozessen kommen und auch parallel planen. Nehmen wir die viel beschriebene Regionaltangente West (RTW), die in aller Munde ist und endlich angegangen werden soll. Wir müssen aber schon jetzt über eine Regionaltangente Ost reden. Das kann nicht warten, bis die RTW irgendwann fertiggestellt ist, das muss heute beginnen, damit wir bei allen Bauvorhaben der nächsten Zeit, diese bereits mitdenken. Es geht auch immer um Synergien, die geschaffen werden können.
 
Was meinen Sie mit Synergien genau?
 
Wysocki:
Im Grunde kommen wir dabei zum dritten Teil meines Konzepts, nämlich dem Bus- und Radverkehr. Sollte die RTW in Zukunft erschlossen sein, muss eine Schnellbuslinie von Bad Vilbel nach Bad Homburg unsere Bürgerinnen und Bürger an die RTW anbinden, mehr noch, man könnte sogar darüber nachdenken, diese Linie bis nach Bergen-Enkheim zu verlängern, um einen Anschluss an die U-Bahn Linien vier und sieben herzustellen. Das sind Synergien zwischen vorhandenen Trassen und neuen Ideen.
 
Die auch für den Radverkehr gelten könnten?
 
Wysocki:
Der Radverkehr spielt eine große Rolle beim Thema Nahmobilität und Verkehr der Zukunft, das ist keine Frage. Deswegen haben wir mit unserem Radverkehrskonzept die Weichen für eine gelungene Zukunft des Radverkehrs in unserer Stadt gestellt. Aber auch hier muss man mit der Region denken. Wir brauchen neben der Optimierung der innerstädtischen Radverbindungen auch die Wege nach Frankfurt, in die Wetterau und in den Main-Kinzig-Kreis. Für den Berufsverkehr ist daher insbesondere die Strecke der „Kurzen Wetterau“ von großer Bedeutung. Dieses Radverkehrskonzept wollen wir Schritt für Schritt umsetzen und darüber hinaus mit den Nachbarstädten und den Landkreisen weitere neue und schnelle Radverbindungen schaffen.
 
Sie sprechen oft die Region und Nachbarstädte an. Wie möchten Sie diese von Ihrem Konzept überzeugen?
 
Wysocki:
Das beste Argument zur Überzeugung ist sicherlich das Argument der Entlastung. Mehr Spuren auf der B3, der A 661oder der A 5 führen zu weniger Durchgangsverkehr in den Ortsteilen und Städten. Eine neue Südumgehung Bad Vilbel führt zu schnelleren Verbindungen und der Unterbindung von Schleichverkehr. Schließlich führen weniger Autos innerorts zu weniger Lärm und der Vermeidung von Abgasen. Diese Entlastung wird noch größer, wenn man die Schienenprojekte realisiert und damit den ÖPNV stärkt und attraktiver macht. Je zuverlässiger der ÖPNV ist und je mehr Angebote parallel zueinander bestehen, desto mehr Pendler steigen um. Gleiches gilt für den Radverkehr, der ja durch den Fokus auf Sport, Gesundheit und Ernährung immer wichtiger wird.
Dies möchte ich unseren Partnern in der Region mit meinem Konzept zeigen und deshalb werde ich auch auf diese zugehen und mit ihnen darüber sprechen.
 
Sehr geehrter Herr Wysocki, vielen Dank für dieses Gespräch und viel Erfolg bei der Umsetzung ihres Masterplans.
 
Anlage
Masterplan Verkehrsentlastung Bad Vilbel 2030
Dateien:
Masterplan Verkehrsentlastung Bad Vilbel.pdf Masterplan Verkehrsentlastung Bad Vilbel.pdf

Veröffentlicht:16.07.2018