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Aktuelle Nachrichten

Rechtzeitige Beobachtung schützt vor Gespinstmotte

Grundstücke pflegen, Bäume beobachten

Bad Vilbel ist reich an Grün und Wiesen. Vor allem in den Wingerten reihen sich Apfelbaum an Apfelbaum. Viele dieser Streuobstwiesen werden privat betrieben. Andere sind in der Pflege beim Obstbauverein Bad Vilbel oder der Obstbaugruppe Dortelweil. Einen großen Anteil der Bäume aber pflegt der Dottenfelderhof. All diese Akteure haben in diesem Jahr mit einem Phänomen zu kämpfen: Die Apfelbaumgespinstmotte hat sich breit gemacht.

Hierzu haben wir mit Albrecht Denneler vom Dottenfelderhof, Tobias Storch vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen und Pedro Albert, Kämmereileiter und passionierte Obstbauer, gesprochen.
 
Hallo Herr Denneler, Herr Storch und Herr Albert, hier mitten auf dem Dottenfelderhof im Sommer 2018 scheint die Welt in Ordnung zu sein. Die Menschen genießen eine Apfelschorle oder einen Apfelwein und fühlen sich wohl in der Natur. Weshalb haben Sie dennoch Sorge?
 
Albrecht Denneler: Das stimmt, die Menschen genießen es hier und sie trinken gern Apfelsaft oder Apfelwein. Aber damit dieser zukünftig bestenfalls aus regionalem Obst hergestellt werden kann, müssen wir die Sensibilität für einen Schädling schaffen, der dieses Jahr verstärkt aufgetreten ist.
 
Tobias Storch: Das ist korrekt. Die Apfelbaumgespinstmotte war gerade im Streuobst dieses Jahr sehr präsent. Es scheint als seien die Bedingungen für ein starkes Vorkommen tatsächlich optimal gewesen.
 
Ist das ein generelles Phänomen oder haben wir es in Bad Vilbel und Umgebung mit besonders starken Befall zu tun?
 
Storch: Wenn man so möchte, ist unter anderem Bad Vilbel in dieser Saison ein Hotspot der Apfelbaumgespinstmotte, aber auch in anderen Regionen in Hessen haben wir es in diesem Jahr mit einem starken Befall von allerlei gespinstbildenden  Faltern auch an anderen Kulturen zu tun.
 
Pedro Albert: In Bad Vilbel gibt es eben viele Obst-, insbesondere Apfelbäume, da fällt ein solcher Befall auch stärker auf. Hinzu kommt, dass aufgrund unterschiedlicher Besitzverhältnisse keine einheitliche Pflege in den Grundstücken und an den Bäumen betrieben werden kann.
 
Denneler: Richtig, falsche oder fehlende Pflege oder generell weniger Beachtung der Bäume begünstigt den Befall möglicherweise. Deshalb ist es gerade in Bad Vilbel schwierig dem flächenwirksam Herr zu werden.
 
Jetzt wird sich nicht jeder Bürger etwas unter der Apfelbaumgespinstmotte vorstellen können. Vereinfacht gesprochen, woran erkennt man einen befallenen Baum?
 
Denneler: Ganz einfach gesagt, sobald ein Baum befallen ist, wird er bedeckt von einem weißen Netz an Gespinsten.
 
Storch: Dann ist es aber bereits zu spät, um den Schädling nachhaltig bekämpfen zu können. Das, was der Bürger wahrnimmt, ist akuter Befall, zu dem es dann kommt, wenn man nicht rechtzeitig einschreitet. Ein Baum muss daher sehr genau beobachtet werden, um den richtigen Zeitpunkt für eine Bekämpfung mit einem nützlingsschonenden Pflanzenschutzmittel zu bestimmen.
 
Albert: Diesen Zeitpunkt erkennt aber auch so mancher Baumbesitzer im Vorgarten oder Grundstücksbesitzer einer Streuobstwiese nicht. Deshalb ist die Sensibilisierung wichtig und die gute Schulung zur Baumpflege.
 
Bevor wir darauf eingehen, eine wahrscheinlich sehr wichtige Frage für alle Bürgerinnen und Bürger: Ist die Apfelbaumgespinstmotte gefährlich für Menschen?
 
Storch: Nein. Von der Apfelbaumgespinstmotte geht keinerlei Gesundheitsgefahr für Menschen aus. Im Gegensatz beispielsweise zum Eichenprozessionsspinner, der über kleine Härchen verfügt, die in den Atemwegen oder auf der Haut zu Reizungen führen, ist dies hier nicht der Fall. Für Bäume im Streuobstbereich und im Haus- und Kleingarten kann die Motte durchaus eine bedeutende Rolle spielen.
 
Was passiert genau mit den Bäumen, wenn sie befallen sind?
 
Denneler: Um es auf den Punkt zu bringen, schlimmstenfalls treiben sie nicht nur im Jahr des Befalls nicht aus, sondern auch im Jahr darauf. Sie altern schneller und tragen keine Früchte.
 
Storch: Bei starkem Befall kann es zu totalem Blattverlust und völligem Ertragsausfall kommen. Und wie Herr Denneler schon richtig sagte, das Wachstum der Bäume kann durch starken Befall nachhaltig beeinträchtigt werden. In der Vergangenheit war es normal, dass der Schädling in größeren Abständen massiv auftritt.
 
Damit es dazu gar nicht erst kommt, ist es wichtig, wie man seinen Baum oder seine Bäume vor einem solchen Befall schützen kann? Was und vor allem wann muss man hier ansetzen?
 
Albert: Die richtige Pflege ist der Schlüssel zur Vorbeugung. Wer sich in seinem Garten oder auf seinen Streuobstwiesen ordentlich um die Grundstücke kümmert, hat hier schon einmal eine bessere Handhabe. Da geht es auch um die richtige Grünpflege und den passenden Baumschnitt.
 
Storch: Das ist die Grundlage für alles, stimmt. Man muss zusätzlich die Bäume genau beobachten, denn das Zeitfenster für eine mögliche Behandlung ist sehr eng. Das nützlingsschonende Mittel, das wir einsetzen, kann nur bei höheren Temperaturen ab 15 Grad genutzt werden, da es ein Fraßmittel ist und die Raupen bei niedrigen Temperaturen nicht fressen. Behandlungszeitraum war in diesem Jahr Ende April, Anfang Mai.
 
Denneler: Ich möchte hier zunächst einmal stellvertretend für alle Bewirtschafter meinen Dank an die Stadt Bad Vilbel zur Übernahme der Dienstleistungskosten beim Spritzen und der humanistischen Stiftung für die Kostenübernahme der Spritzmittel zum Ausdruck bringen. Dort, wo dies mehrfach angewandt wurde, hatten wir großen Erfolg. Wo dies nicht getan wurde, sehen wir nun verhüllte Bäume, wenn man so möchte.

Wie haben wir uns das vorzustellen, wie genau befallen die Motten die Bäume?
 
Storch: Wenn die Raupen im Frühjahr aktiv werden, wandern sie am Holz in die noch jungen Blättchen und fressen in sogenannten Blattminen an den Blatträndern, die sich dann braun färben. Danach fertigen die Raupen Gespinste um Blätter und Triebe, in denen sie weiter geschützt fressen können.
 
Und davor muss man sie bereits bekämpfen oder wie genau läuft es ab?
 
Storch: Der richtige Zeitpunkt zur Bekämpfung ist, wenn die Raupen die Blattminen verlassen, und beginnen erste kleine Blättchen einzuspinnen. Dann kann das Fraßmittel ansetzen. Sind bereits größere Gespinste zu sehen, kann man diese nur noch mit der Schere herausschneiden und vernichten.
 
Denneler: Deshalb ist ja die Beobachtung der Bäume so wichtig, um diesen Moment abzupassen. Da wir mit schonenden Pflanzenschutzmitteln arbeiten, muss man auch die Temperatur und Witterung beachten.
 
Albert: Obstbau bedeutet eben immer wachsam zu sein und seine Bäume gut zu pflegen.
 
Wir hatten die richtige Pflege ja bereits angesprochen. Haben Sie Tipps für Baumbesitzer?
 
Albert: Es braucht das richtige Bewusstsein für die eigenen Grundstücke. Seine Bäume muss man auch kennen. Das geht erst mit der Zeit. Nicht jeden Baum kann man gleich zurückschneiden beispielsweise. Das ist von Baum zu Baum verschieden.
 
Denneler: Es geht auch um die Umgebung. Unter den Bäumen muss es einen zweimaligen Grasschnitt geben, wichtig ist beispielsweise ein Winterschnitt, damit beispielsweise später Spritzgeräte hier entlang fahren können. Die Bäume müssen zudem ordentlich geschnitten werden, nicht zu viel und nicht zu wenig. Das richtige Maß ist der Schlüssel. Der Obst- und Gartenbauverein, das Main Äppelhaus und der Dottenfelderhof bieten hierfür aber regelmäßig Kurse an, die auch gut besucht sind. Diese Kurse lohnen sich für Anfänger genauso wie für Fortgeschrittene. Zudem sollte man mit Kompost düngen, denn das bringt eine gute Harmonie in die Grundstücke. Der Schäfer, der mit seinen Schafen auf die Grundstücke geht, sorgt für eine Vitalisierung. Alles eben auf natürlicher Basis.
 
Albert: Weiterbildung oder Fortbildung ist immer wichtig auch und gerade im Obstbau. Die Obstbauvereine sind hier sehr aktiv. Aber gerade beim Schäfer ist es auch wichtig, dass man dies zulässt. Hier muss sich jeder Grundstückseigentümer die Frage selbst stellen.
 
Könnte man also das Motto „Sensibilisieren und Pflegen“ als Grundlage für gesunde Bäume ausgeben?
 
Storch: Es ist sicher mehr, aber grundsätzlich wäre damit ein guter Anfang gemacht. Es gibt solchen massenhaften Befall, wie wir ihn dieses Jahr gesehen haben, immer wieder. Es ist typisch für die Apfelbaumgespinstmotte. Aber mit einer ordentlichen Behandlung kann man seine Bäume und den Ertrag schützen. Die praktische Umsetzung bezüglich der Spritztechnik bei Hochstämmen und das Finden des optimalen Behandlungszeitpunktes sind hierbei die Herausforderungen.
 
Denneler: Es ist auch wichtig zu erwähnen, dass jeder Baum, der durch Befall gealtert ist, wieder vitalisiert werden kann. Richtige Pflege sorgt für gesundes Wachstum und bringt die Jugendlichkeit in den Baum zurück.
 
Albert: Gerade bei Neupflanzungen ist es wichtig, von Anfang an gut zu pflegen. Wenn man das gleich tut, kann man später Ausnahmen wie ein Schädlingsbefall besser erkennen.
 
Vielen Dank für das Gespräch. Zum Abschluss vielleicht noch ein letzter, kurzer Satz zur Baumpflege:
 
Albert: Eine Gießkanne reicht nicht!
 
Denneler: Jeder Mensch braucht das Bewusstsein für unsere Kulturlandschaft!
 
Storch: Lieber einmal mehr bei Experten fragen, als einmal zu wenig!
 
 
Bildunterschrift: Ein eingesponnener Apfel mit Raupe der Apfelgespinstmotte. (Foto: Tobias Storch, LLH)

Veröffentlicht:21.06.2018